Self Hosting – Warum und wie?

Eine Cloud ist ein Computer mit Rechenleistung und Speicher, der weltweit über das Internet verfügbar ist und bestimmte Dienste bereitstellt. Bekannte Anbieter solcher Cloud-Dienste sind Microsoft (OneDrive), Apple (iCloud), Google (Drive, Photos, …) oder Meta mit den Marken Instagram, Facebook und WhatsApp.

Wenn eine Anwendung in der Cloud läuft statt auf Ihrem Gerät, befinden sich Ihre Daten auf einem fremden System.

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Ziel meiner Cloud ist es, von diesen großen Anbietern unabhängig trotzdem den Komfort einer Foto-Cloud oder sonstiger weltweit verfügbarer Dienste zu nutzen. Die Daten sollen dabei physisch immer unter meiner Kontrolle bleiben und gegen Diebstahl oder Verlust geschützt sein.

Services der Cloud

Folgende Dienste laufen aktuell in der Stephanius-Cloud:

Fotos

Alle Fotos des Haushalts lagern auf dem Server. Außerdem sichern die Mobiltelefone neu erstellte Fotos und Videos automatisch dorthin. So habe ich immer alle meine Fotos dabei, durchsuchbar nach Datum und Ort, aber auch nach Gesichtern oder Objekten. Außerdem kann ich Foto-Galerien mit anderen Menschen teilen, die selbst kein Konto in meiner Cloud haben.

Der verwendete Dienst ist Synology Photos mit der entsprechenden iOS App. Vielleicht probiere ich zukünftig aber auch mal die Open Source Lösung immich.

Dokumente & Dateien

Auch meine digitalisierten Dokumente sind alle gespeichert und mobil über die App verfügbar. So kann ich neue Dokumente wie Abrechnungen, Versicherungsscheine oder sonstiges direkt dort speichern. Auch das Teilen von Dokumenten oder Ordnern mit anderen Menschen ist möglich.

Der verwendete Dienst ist Synology Drive mit der entsprechenden iOS und Windows App. Alternativ könnte man auch NextCloud verwenden. Auf jeden Fall werde ich in 2026 aber mal PaperlessNGX ausprobieren.

Adressbuch & Reminder

Mein persönliches Adressbuch möchte ich bewusst nicht anderen anvertrauen. Dieses lässt sich über CardDav mühelos in iOS und Thunderbird integrieren. Gleiches gilt für Erinnerungen mittels CalDav-Protokoll. Einzig die Notizen nutze ich noch nicht auf Synology, weil ich noch keine schöne Open-Source Lösung gefunden haben, die gut mit iOS integriert.

Passwort-Manager

Der zentrale Passwort Tresor ist ein besonderer Schatz, den ich wirklich nicht Apple oder gar Google anvertrauen möchte. Bisher bin ich immer sehr gut mit KeePassXC gefahren. Nun habe ich endlich meine eigene Vaultwarden Instanz aufgebaut. Der Vorteil: Auf den Clients können die zuverlässigen Apps und AddOns von Bitwarden verwendet werden – die Daten allerdings bleiben ganz bei mir.

Standortverlauf

Meinen eigenen Standort nachverfolgen zu können fand ich eigentlich ganz reizvoll. Mich störte nur, dass lange Google das für mich getan hat. Vom Projekt DaWarIch habe ich eher zufällig erfahren. Nun nutze ich es schon eine Weile und bin mit Server-Version und iOS-App sehr zufrieden. Die App zeichnet automatisch die Bewegung meines iPhones auf, ohne die Batterie dabei zu belasten, und die Ergebnisse werden auf einer Karte angezeigt. Punkte können ex- und importiert werden. Mehr brauche ich eigentlich nicht.

Musik Streaming

Da ich ein Familien-Abo bei Deezer habe, nutze ich diese Funktion momentan nur experimentell. Immerhin, die MP3-Version meiner CD-Sammlung aus Jugendzeiten habe ich nun immer mobil in der Tasche. Vom Funktionsumfang der Server-Applikation Navidrome und der Einfachheit der iOS App Amerpfy bin ich wirklich überzeugt. Leider ist es nicht so einfach, legale MP3-Musik aufzutreiben.

Webseite / Blog

Ach ja – diese Seite hier läuft über WordPress. Und auch das ist natürlich in gewisser Weise in Cloud-Dienst. Die Domain kommt zwar von einem großen Registrar, aber alle Zeilen und Bilder liegen bei mir zuhause und du bekommst sie über meinen Internetanschluss angezeigt. Evtl. experimentiere ich in 2026 mal mit dem kostenlosen Cloudflare-Abo.

Warum nicht Email oder Kalender?

Email-Server selbst zu hosten ist generell keine gute Idee. Das liegt hauptsächlich daran, dass kleine unbekannte SMTP-Server sehr schnell auf den Spam-Lister der großen Email-Provider landen, bzw. von diesen ignoriert werden. Außerdem gehört einiges an Aufwand dazu, selbst einen Spam-Filter und einen Virenscanner aktuell zu halten. Da ich zuverlässig Emails versenden und empfangen möchte, vertraue ich hierbei Mailbox.org. Das macht übrigens auch deshalb Sinn, weil die Cloud technische Alarme per Email an mich sendet …

Dass der Kalender dann auch dort läuft ist einfacher, wenn ich gelegentlich Termineinladungen versenden oder empfangen möchte. Manche Clients funktionieren einfach besser, wenn Mail und Kalender beim selben Hoster laufen.

Sicherheit, Schutz und Vertrauen

Meine Cloud besteht aus einer Netzwerkfestplatte des Herstellers Synology, und die bereitgestellten Dienste sind Teil des Betriebssystems DSM. Da Synology einer der führenden Hersteller dieser Geräte ist und DSM auch im professionellen Umfeld eingesetzt wird, halte ich den Server und die von Synology bereitgestellen Apps für Mobilgeräte für vertrauenswürdig.

Der Server steht in Hamburg und speichert deine Daten AES-verschlüsselt auf mehreren Festplatten (RAID). Sollte das Gerät gestohlen werden, kann niemand mit den Daten etwas anfangen. Die o.g. Services sind SSL-verschlüsselt über das Internet erreichbar – Zugriff auf deine Dateien haben aber nur du und der Administrator des Geräts. Es ist wichtig, dass du ein starkes Passwort und – noch besser – eine 2-Faktor-Authentifizierung verwendest, um deinen Zugang gegen Missbrauch zu schützen.

Jede Nacht werden alle Daten aus Hamburg auf einem zweiten Server gesichert, welcher ca. 400km entfernt im Spreewald steht. Diese Sicherungen sind ebenfalls AES-verschlüsselt und bewahren Versionen weit in die Vergangenheit ab. Dies bietet einen wirksamen Schutz bei Ransomware-Angriffen, versehentlichem Löschen, oder eben gegen Diebstahl der physischen Geräte.